Kamin anzünden, Kaminofen anheizen, Kohleofen richtig heizen

Kaminfeuer Kaminofen
Kaminfeuer Kaminofen © Knut Wiarda fotolia.com

Mit dem neuen Ofen richtig zu heizen, erfordert einiges an Übung. Um die optimale Einstellung für Ihren Kamin, Kaminofen oder Kohleofen zu finden, müssen Sie zunächst probieren und testen. Je nach Brennstoff, Größe und Trocknungsgrad vom Kaminholz sowie dem tatsächlichen momentanen Schornsteinzug (Wind, Temperatur etc.) können die Einstellungen variieren. Zudem sollten Sie die spezifischen Eigenarten der verschiedenen Feuerstätten beachten.

Unterschied Kamin, Kaminofen und Kohleofen

Kaminfeuer in einem Kamin
Feuer im Kamin © dbrus fotolia.com

Ein Kamin ist im klassischen Sinne eine Feuerstätte, in der das Brennmaterial auf dem Grund des Feuerraums liegt. Er gehört zu den offenen Feuerstellen. Der Brennraum besitzt daher keine Feuerraumtür. Verfeuert wird Kaminholz, das heißt: Holzscheite, Kanthölzer sowie anderes als Brennholz geeignetes und unbehandeltes Material. Laubhölzer sind empfehlenswerter als die mit viel Harz ausgestatteten Nadelhölzer. Fichte beispielsweise hat einen hohen Harzanteil, was beim Verfeuern zu einem unerwünschten Funkenflug führen kann.

Kaminofen Wamsler EOS
Kaminofen Wamsler EOS, siehe Kaminofen

Der Kaminofen gehört zu den geschlossenen Feuerstätten mit selbstschließender Feuerraumtür. Das Brennmaterial befindet sich auf einem Rost, typischerweise auf einem Planrost. Der Planrost ist Teil des Brennraumbodens und daher unbeweglich. Im Kaminofen wird Kaminholz verfeuert. Je nach Modell können auch Briketts (Holzbriketts) und ähnliches für den Brennvorgang verwendet werden. Angaben zu den zu verwendenden Brennstoffen für den jeweiligen Ofen finden sich in der Bedienungsanleitung.

Kohleofen Bernau Haas und Sohn
Kohleofen Bernau Haas und Sohn, siehe Kohleofen

Beim Kohleofen liegt das Brennmaterial ebenfalls auf einem Rost, dem Rüttelrost. Dieser befindet sich über dem Boden des Feuerraums und ist von außen steuerbar. Sie können ihn von außen rütteln, um das Brennmaterial auf dem Rost aufzulockern, sodass mehr Luft an die Kohlen gelangen kann. Brennstoff für den Kohleofen sind Kohlen. Sie können aber auch Feuerholz, also Kaminholz, verwenden.

Abbrand und Arten

Ob das Brennmaterial auf einem Rost liegt oder nicht, ist entscheidend dafür, welche Abbrand-Art zur Anwendung kommt. Drei Arten sind möglich: oberer Abbrand, Durchbrand oder unterer Abbrand. Die am häufigsten zur Anwendung kommenden Arten sind oberer Abbrand und Durchbrand.

Ein Brennvorgang erfordert ausreichend Sauerstoff, der sich in der Luft befindet. Nutzt eine Feuerstätte Luft, so nennt man diese Verbrennungsluft. Man unterscheidet Primärluft und Sekundärluft. Primärluft ist die Luft, die von unten auf das Holz trifft. Die Sekundärluft trifft von oben auf das Holz.

Neben dem Zugeben oder Entziehen von Verbrennungsluft im Brennraum kann das Feuer ebenso über eine Drosselklappe gedrosselt oder geschürt werden. Die Drosselklappe befindet sich am Ofenrohr nahe dem Schornstein. Mit ihr können Sie den Schornsteinzug (Förderdruck) anpassen. Möchten Sie das Feuer im Brennraum erhöhen, schließen Sie das Ofenrohr mittels Drosselklappe, sodass weniger Abgase durch den Schornstein verschwinden. Öffnen Sie das Ofenrohr wieder, können die Abgase entweichen und somit auch Wärme schneller entweichen.

Kamin anzünden und heizen – oberer Abbrand

Beim Kamin liegt das Brennmaterial auf dem Feuerraumboden. Die Verbrennungsluft kann daher nicht unter dem Holz wirken, sondern sucht sich ihren Platz seitlich am Holz bzw. dicht auf dem Holz. Aus diesem Grunde ist beim Kamin nur ein oberer Abbrand möglich. Das Feuer wird von oben nach unten abbrennen. Die Wärme stellt sich folglich später ein, bleibt jedoch länger aktiv, da das Holz langsam verbrennt. Da ein Kamin als offene Feuerstätte keine zusätzliche Luftzufuhr von oben erhalten kann, bleibt ihm zur Verbrennung nur die einfache Verbrennungsluft sowie zur Regulierung des Schornsteinzugs die Drosselklappe. Für einen schadstoffarmen Abbrand haben sich Anzünder aus Holzwolle sowie Anzündhölzer bewährt. Zeitungspapier gehört nicht in eine Feuerstätte. Die zum Drucken verwendeten Mittel können giftige Gase freisetzen. Besonders bei einem offenen Brennraum besteht daher Gefahr für die Gesundheit.

Kaminfeuer mit gelber Flamme
Kaminfeuer © Алексей Киров fotolia.com

Der Brennvorgang bei einer offenen Feuerstätte ist abhängig von den Temperaturen und möglichen Luftzügen im Aufstellraum. Mindestens ein Fenster nahe dem Kamin sollte beim Anzünden offen sein, um genügend Frischluft und Verbrennungsluft in den Raum hineinzulassen. Lassen Sie diese Luft ungehindert in den Brennraum des Kamins ziehen. Stellen Sie sich in dieser Phase daher nicht zwischen Fenster und Kamin und achten Sie darauf, dass keine Möbelstücke oder ähnliches die Luftzufuhr über das Fenster versperren.

Verbrennungsluft
Verbrennungsluft, siehe Verbrennungsluft

Kaminofen – oberer Abbrand und Durchbrand

Sie können einen Kaminofen richtig anheizen, wenn Sie den oberen Abbrand und den Durchbrand einsetzen.

Kaminofen anheizen mit Durchbrand

Beim Kaminofen mit Planrost trifft die Verbrennungsluft von oben (Sekundärluft) und unten (Primärluft) auf das Holz. Das Feuer wird von oben und unten mit Sauerstoff gefüttert, sodass ein Durchbrand ermöglicht wird. Diese Abbrandart sorgt zügig für Wärme. Außerdem werden Sie schnell ein loderndes Flammenspiel in Ihrem Kaminfeuer sehen.

Kaminofen mit Rost (Oranier Rota)
Kaminofen Oranier Rota mit Rost – mit dem Planrost ist Durchbrand möglich | Bilder: Oranier, siehe Kaminofen

Kaminofen heizen mit oberem Abbrand

Da Holz sehr schnell verbrennt, ist ein Durchbrand nur beim Anheizen sinnvoll. Während des eigentlichen Brennvorgangs ist ein oberer Abbrand zu empfehlen. Sie sollten daher mit Durchbrand den Kaminofen anheizen, anschließend die Primärluft jedoch drosseln und Sekundärluft zuführen. Das Drosseln von Primär- oder Sekundärluft geschieht mit manuell oder automatisch einstellbaren Luftklappen bzw. Luftschleusen. Eine Drosselklappe ist als weiteres Regulierungswerkzeug empfehlenswert. Sie sollten jedoch die Drosselklappe erst einsetzen, wenn Sie auch nach der Einstellung von Primär- und Sekundärluft-Zufuhr nicht mit dem Brennvorgang zufrieden sind.

Kohleofen richtig heizen – Durchbrand

Kohle brennt wesentlich langsamer als ein Holzscheit. Um diesen fossilen Brennstoff zum Glühen zu bringen, benötigt ein Kohleofen eine sehr hohe Verbrennungstemperatur und entsprechend hohe Energie. Mit einem oberen Abbrand können die Kohlegase nicht ausreichend entzündet werden. Daher ist ein Kohleofen bereits vom Bautyp her als Durchbrandofen konzipiert.

glühende Kohlen in einem Kohleofen
glühende Kohlen in einem Kohleofen – da Kohle nur sehr langsam abbrennt, kann sie für lange Zeit Wärme geben © axepe fotolia.com

Da die Kohlen auf einem Rost liegen, kann die Verbrennungsluft von oben und unten auf das Feuer wirken, sodass die Kohlen von oben und unten befeuert werden. Mit der manuellen Außensteuerung für den Rost  lassen sich die Kohlen während des Brennvorgangs immer wieder durchrütteln, sodass genügend Luft und somit Sauerstoff freigesetzt wird, um die aufsteigenden Gase zu entzünden und die Glut aktiv zu halten. Die Außensteuerung  findet sich häufig an den Seiten oder an der Rückseite des Ofens. Zur Regulierung des Kaminzugs sollte das Ofenrohr über eine Drosselklappe verfügen.

Die Verbrennung

Durch die Primär- und Sekundärluft-Verstellung, einer eventuell eingebauten Drosselklappe im Ofenrohr sowie durch die Füllung des Brennraums muss für eine ausreichend hohe Verbrennungstemperatur gesorgt werden. Nur so ist eine saubere Verbrennung zu gewährleisten. Die chemischen Reaktionen (Gasbildung) bei der Verbrennung funktionieren um so besser, je höher die Verbrennungstemperatur ist. Die Temperatur im Brennraum darf jedoch nicht zu hoch werden, da sonst zu viel Wärme durch den Schornstein verloren geht und es auch zu dauerhaften Schäden, z.B. Rissbildung, matte Sichtscheibe, Verzug am Ofen kommen kann. Angaben zur Einstellung der Primär- und Sekundärluft und der max. Brennraum-Füllmenge finden Sie in der Bedienungsanleitung.

Anzünden und Heizen

Das Anzünden ist die Phase, bei der die meisten Fehler gemacht werden können und auch beim Heizen gibt es einiges zu beachten. Wie beides gelingen kann, erfahren Sie im Folgenden.

Ofen anzünden

Für das Anzünden eines Kaminofens oder einer anderen Feuerstätte mit Holzverbrennung gibt es verschiedene Methoden. Zwei geeignete sollen hier vorgestellt werden.

Klassisch

Anzündhilfe Holzwolle Brennholz
Anzündhilfe Holzwolle neben Brennholz © djama fotolia.com

Den Kaminanzünder legen Sie in ausreichender Menge auf den Rost im Feuerraum. Dies können Anzündwürfel oder Anzündblöcke sein. Sie bestehen in der Regel aus in Wachs getränkter Holzwolle. Schadstofffreie Grillanzünder eignen sich ebenso zum Anfeuern. Darüber verteilen Sie Reisig und/oder Anzündholz, auch Anmachholz genannt. Das sind kleine Holzstücke. Sie eignen sich am besten zum schnellen Anbrennen. Anschließend legen Sie zwei bis drei circa armdicke Holzscheite darüber und zünden Sie an.

Alternativ lassen sich auch Anzünder mit Reisig oder Anzündholz direkt anzünden. Wählen Sie diese Methode, warten Sie etwa 5 bis 10 Minuten, bis sich das Feuer bzw. die Glut gut entwickelt hat. Dann erst legen Sie die Holzscheite nach.

Anmachholz
schmale Holzscheite werden als Anmachholz verwendet © Николай Григорьев fotolia.com

Beim oberen Abbrand

Legen Sie zwei bis drei Scheite dickes Holz auf den Feuerrost. Legen Sie anschließend auf die Holzscheite zwei bis drei Anzünder und stapeln Sie darüber Reisig oder Anzündholz. Dann zünden Sie die Anzünder an.

Tipp: Beschriften Sie gegebenenfalls die Primär- und Sekundärluft-Verstellung Ihres Kaminofens, wenn Sie die besten Einstellungen einmal gefunden haben. Dies hat den Vorteil, dass Sie mit den gefundenen Werten experimentieren können und nicht wieder von vorne anfangen müssen. Außerdem können sich somit auch andere Familienmitglieder an Ihren Einstellungen orientieren.

Richtig heizen

Ließ sich der Ofen richtig anzünden, gehen Sie anschließend folgendermaßen vor:

Öffnen Sie die Primär- und Sekundärluft-Verstellung und gegebenenfalls die Drosselklappe im Ofenrohr, so weit es geht. Eventuell können Sie anfangs die Feuerraumtür auch nur anlehnen. Dies ist jedoch von Modell zu Modell verschieden. In diesem Punkt können Sie nur ausprobieren. Lassen Sie circa 15 bis 30 Minuten das Brennmaterial durchbrennen.

Ihr Kaminfeuer sollte nun ausreichend brennen, sodass Sie in den regulären Brennvorgang übergehen können. Stellen Sie dazu die Primär- und Sekundärluft-Verstellung auf die in der Bedienungsanleitung Ihres Ofens genannten Einstellungen. Diese Angaben sind gerätespezifisch, sodass hier keine konkreten Angaben gegeben werden können.

Hinweis: Der Umwelt zuliebe und für einen reibungslosen Ablauf bei der Verbrennung sollten Sie die in der Bedienungsanleitung genannten Brennstoffart sowie deren Menge immer beachten. Kaminöfen sind keine Müllverbrennungsanlage. Falsche Brennstoffe können dem Gerät großen Schaden zufügen.

Vermeiden Sie darüber hinaus zu häufiges Nachlegen von Brennstoff in geringen Zeitabständen. Bedenken Sie dabei, dass bei jedem Öffnen der Feuerraumtür Rauch und Aschepartikel in den Wohnraum gelangen. Außerdem sind wenige große Abbrände günstiger als viele kleine. Insofern Sie die max. Füllmenge beachten, erreichen Sie mit größeren Abbränden eine kostengünstigere und gesündere Lösung.

3 Kommentare zu Kamin anzünden, Kaminofen anheizen, Kohleofen richtig heizen

  1. Bei meinem Kaminofen von Hark habe ich folgendes Problem.Beim nachlegen von Brennstoff (Kiefernholz) entweicht jedes Mal Flugasche wie kann ich das verhindern?

  2. Hallo und vielen Dank für Ihre Anfrage!
    Stark harzhaltige Nadelhölzer wie die Kiefer neigen zu erhöhtem Funkenflug und feiner Flugasche. Das ist leider so und lässt sich nicht ändern. Um das Austreten der Flugasche beim Öffnen der Feuerraumtür zu verringern, könnten Sie zum Beispiel das Kiefernholz mit Laubholz (z.B. Buche) gemeinsam verfeuern. So reduzieren Sie Ihren Vorrat an Kiefernholz nach und nach und können am Ende auf eine weniger harzlastige Brennholz-Sorte umsteigen. Möchten Sie es einmal ausprobieren?

  3. Hallo! Ich heize immer mal wieder auch Fichte und Kiefer, dabei ist zu beachten dass vor dem Öffnen der Ofentür die Drosselklappe am Ofenrohr auf Durchgang gestellt wird. Dadurch zieht der Schornstein mehr und die Ofentür kann langsam geöffnet werden und es kommt nicht zu Asche Verwirbelung aus der Ofentür heraus.
    Einfach ausprobieren!

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