Zisterne berechnen: Wie groß muss mein Regenwassertank sein?

Formel zur Berechnung der Zisternengröße aus Regenertrag, Bedarf und 30 Tagen Reserve

Die Kurzfassung vorweg

Die passende Zisternengröße ergibt sich aus drei Zahlen: dem Regenwasserertrag Ihres Dachs, Ihrem tatsächlichen Wasserbedarf und einer Sicherheitsreserve von rund 30 Tagen. Als Faustformel gilt: Tankgröße in Litern = kleinerer Wert aus Ertrag oder Bedarf × 30 ÷ 365. Für ein typisches Einfamilienhaus mit vier Personen und 120 m² Dachfläche landen Sie damit bei etwa 7.500 Litern. Wie Sie zu Ihren eigenen Zahlen kommen, rechnen wir jetzt Schritt für Schritt durch.

Warum die Tankgröße über den Erfolg der Anlage entscheidet

Eine Zisterne ist keine Anschaffung, die man alle paar Jahre korrigiert. Sie liegt nach dem Einbau drei Meter tief unter dem Rasen, und wer sich dort vergriffen hat, lebt lange damit.

Beide Richtungen kosten Geld. Ein zu kleiner Tank läuft bei jedem kräftigen Regen über – das Wasser, für das Sie bezahlt haben, verschwindet im Überlauf, und im Hochsommer stehen Sie trotzdem mit dem Gartenschlauch am Trinkwasserhahn. Ein zu großer Tank kostet mehr in der Anschaffung, braucht eine größere Baugrube und wird nie richtig voll. Wasser, das monatelang unbewegt steht, ist außerdem kein Vorteil für die Wasserqualität.

Die gute Nachricht: Die Rechnung ist einfacher, als sie klingt. Sie brauchen drei Angaben.

Schritt 1: Wie viel Regenwasser fällt auf Ihrem Dach an?

Der jährliche Regenwasserertrag berechnet sich so:

Niederschlagsmenge (l/m²) × projizierte Dachfläche (m²) × Ablaufbeiwert = Regenertrag in Litern pro Jahr

Die Niederschlagsmenge Ihrer Region

In Deutschland liegen die langjährigen Mittelwerte grob zwischen unter 600 und über 1.200 Litern pro Quadratmeter und Jahr. Der Osten und Nordosten ist deutlich trockener, der Alpenrand und die Mittelgebirge sind nasser. Für Unterfranken beispielsweise können Sie mit etwa 600 bis 800 l/m² rechnen, im Alpenvorland eher mit 1.200 l/m² und mehr.

Den genauen Wert für Ihren Ort liefert der Deutsche Wetterdienst. Rechnen Sie im Zweifel mit dem niedrigeren Wert – lieber eine Anlage, die im Trockenjahr trägt, als eine, die nur im Durchschnittsjahr aufgeht.

Wer die eigene Rechnung gegenprüfen möchte: Der Hersteller GRAF stellt einen interaktiven Produktberater für Tankgrößen bereit, der die Wetterdaten Ihres Wohnorts automatisch berücksichtigt.

Die projizierte Dachfläche

Hier machen die meisten den ersten Fehler. Gemeint ist nicht die schräge Dachfläche, die Sie auf dem Dach ablaufen würden, sondern die Grundfläche, die das Dach von oben betrachtet überdeckt – also die Grundfläche des Hauses zuzüglich der Dachüberstände.

Der Grund ist einfach: Regen fällt senkrecht. Ob das Dach flach oder steil ist, ändert nichts an der Wassermenge, die ankommt. Die Dachneigung spielt für die Berechnung also keine Rolle.

Schema der projizierten Dachfläche mit Dachüberstand für die Zisternenberechnung

Der Ablaufbeiwert

Nicht jeder Tropfen erreicht die Zisterne. Ein Teil verdunstet, ein Teil bleibt in der Dachhaut hängen. Wie viel ankommt, hängt vom Dachmaterial ab:

Dacheindeckung Ablaufbeiwert
Tonziegel (glasiert), Schieferdach, Betonziegel, Kunststoff, Metall/Blech 0,9
Kiesaufschüttung, Dachpappe 0,8
Gründach / begrüntes Dach 0,4

Ein Gründach liefert also weniger als die Hälfte dessen, was ein Ziegeldach bringt. Das ist kein Argument gegen Gründächer – sie halten das Wasser bewusst zurück – aber es gehört in die Rechnung.

Rechenbeispiel

Einfamilienhaus mit Betonziegeldach, 120 m² projizierte Dachfläche, Region mit 800 l/m² Jahresniederschlag:

800 l/m² × 120 m² × 0,9 = 86.400 Liter pro Jahr

Das sind rund 86 Kubikmeter kostenloses Wasser, die derzeit vermutlich in den Kanal laufen.

Schritt 2: Wie viel Regenwasser brauchen Sie überhaupt?

Jetzt die andere Seite der Rechnung. Erfahrungswerte für den jährlichen Regenwasserbedarf:

Verwendung Bedarf pro Jahr
WC-Spülung 13.500 l pro Person
Waschmaschine 5.500 l pro Person
Putzen und Reinigen 2.500 l pro Person
Gartenbewässerung 150 l pro m² Garten (bei intensiver Bewässerung bis 250 l/m²)

Die WC-Spülung ist mit Abstand der größte Posten – und zugleich der Grund, warum sich eine Anlage mit Hausanschluss deutlich schneller rechnet als eine reine Gartenlösung. Wer nur den Garten versorgt, nutzt einen Bruchteil des Potenzials.

Rechenbeispiel, gleiche Familie

Vier Personen, 300 m² Garten mit normaler Bewässerung:

  • WC: 4 × 13.500 l = 54.000 l
  • Waschmaschine: 4 × 5.500 l = 22.000 l
  • Putzen: 4 × 2.500 l = 10.000 l
  • Garten: 300 m² × 150 l = 45.000 l

Gesamtbedarf: 131.000 Liter pro Jahr

Was tun, wenn der Bedarf höher ist als der Ertrag?

Genau das ist hier der Fall: 131.000 Liter Bedarf stehen 86.400 Litern Ertrag gegenüber. Das ist völlig normal und kein Grund, das Projekt abzublasen. Es bedeutet nur, dass Ihre Anlage im Jahresverlauf nicht die gesamte Nachfrage decken kann und in Trockenperioden Trinkwasser nachspeisen muss.

Zwei Möglichkeiten, die Lücke zu verkleinern: Prüfen Sie, ob weitere Dachflächen angeschlossen werden können – Garage, Carport, Anbau zählen mit. Oder reduzieren Sie den angesetzten Gartenbedarf, wenn Sie ohnehin sparsam bewässern.

Schritt 3: Die Tankgröße ermitteln

Jetzt kommen beide Zahlen zusammen. Maßgeblich ist immer der kleinere der beiden Werte – denn mehr als das Dach liefert, kann die Zisterne nicht speichern, und mehr als Sie verbrauchen, brauchen Sie nicht vorzuhalten.

Diesen Wert multiplizieren Sie mit der gewünschten Sicherheitsreserve. Üblich sind 20 bis 40 Tage, empfohlen werden 30 Tage – das entspricht einer normalen Trockenperiode im deutschen Sommer:

Tankgröße = maßgeblicher Wert × 30 ÷ 365

Für unser Beispiel:

86.400 l × 30 ÷ 365 = 7.101 Liter

Aufgerundet auf die nächste lieferbare Größe landen Sie bei einem Tank mit rund 7.500 Litern. Wer öfter längere Trockenphasen erlebt, geht auf 40 Tage und damit auf etwa 9.500 Liter.

Zweites Beispiel: kleiner Haushalt, nur Garten

Zwei Personen, 100 m² Dachfläche mit Tonziegeln, 700 l/m² Niederschlag, 200 m² Garten, keine Hausnutzung:

  • Ertrag: 700 × 100 × 0,9 = 63.000 l
  • Bedarf: 200 m² × 150 l = 30.000 l
  • Maßgeblich ist der Bedarf (30.000 l)
  • Tankgröße: 30.000 × 30 ÷ 365 = 2.466 Liter

Hier genügt ein Tank mit 2.700 bis 3.000 Litern. Ein 10.000-Liter-Behälter wäre hier hinausgeworfenes Geld – ein Fehler, der in der Praxis erstaunlich oft gemacht wird.

Schritt 4: Was sparen Sie damit?

Die Ersparnis berechnen Sie über die tatsächlich genutzte Wassermenge:

genutzte Menge in m³ × Ihr Wasserpreis in €/m³ = jährliche Ersparnis

In unserem ersten Beispiel ersetzen 86 m³ Regenwasser die entsprechende Menge Trinkwasser. Bei einem kombinierten Preis von 4,00 € pro Kubikmeter für Trink- und Abwasser sind das rund 345 € pro Jahr.

Zwei Hinweise zur Ehrlichkeit dieser Zahl: Die Wasserpreise unterscheiden sich in Deutschland erheblich – von unter 3 € bis über 6 € je Kubikmeter inklusive Abwasser. Und für Wasser, das im Garten versickert, fällt in vielen Kommunen ohnehin keine Abwassergebühr an, dort sparen Sie also nur den Trinkwasseranteil. Setzen Sie deshalb die Werte Ihrer eigenen Gebührenbescheide ein, nicht unser Beispiel.

Erdtank oder Flachtank – welche Bauform passt?

Die Größe ist geklärt, bleibt die Bauform. Die Entscheidung fällt fast immer über die Einbausituation:

Klassischer Erdtank Flachtank
Typische Größen 2.700 bis 122.000 l 1.500 bis 65.000 l
Stärke Viel Volumen auf kleiner Grundfläche Geringe Einbautiefe, kurze Bauzeit
Ideal für Neubau, wenn der Bagger ohnehin da ist Nachrüstung im bestehenden Garten
Grundwasser Grundwasserstabil Grundwasserstabil
Befahrbarkeit Pkw- und Lkw-befahrbar mit passender Abdeckung Pkw- und Lkw-befahrbar mit passender Abdeckung

Kurz gesagt: Im Neubau, wo tief ausgehoben wird, ist der Erdtank meist die wirtschaftlichere Wahl. Im bestehenden Garten, wo jeder Kubikmeter Aushub Handarbeit und Abtransport bedeutet, spielt der Flachtank seine Stärke aus. Auf hochwertige Bauformen gibt es bis zu 30 Jahre Herstellergarantie – bei einem Bauteil, das Jahrzehnte im Boden liegt, ist das ein Kriterium, das man nicht unterschätzen sollte.

Fünf Fehler, die immer wieder passieren

  1. Mit der Schrägfläche des Dachs gerechnet. Es zählt die projizierte Fläche von oben. Wer die Dachschräge ansetzt, überschätzt den Ertrag deutlich.
  2. Den Ablaufbeiwert weggelassen. Bei einem Gründach ist das ein Fehler von 60 Prozent.
  3. Nach Gefühl statt nach Bedarf gekauft. „Nimm lieber den größeren“ ist kein Dimensionierungsverfahren.
  4. Den Filter zu klein gewählt. Die Filterleistung muss zur angeschlossenen Dachfläche passen, sonst wird der Filter zum Nadelöhr der ganzen Anlage.
  5. Die Zugänglichkeit vergessen. Der Domschacht muss später erreichbar sein – und wenn dort einmal ein Auto parken soll, braucht es von Anfang an eine befahrbare Abdeckung.

Häufige Fragen

Wie groß muss eine Zisterne für ein Einfamilienhaus sein?

Für einen Vier-Personen-Haushalt mit rund 120 m² Dachfläche und mittlerer Gartengröße liegt die passende Größe meist zwischen 6.000 und 10.000 Litern. Wird das Regenwasser nur im Garten genutzt, genügen oft 3.000 bis 5.000 Liter. Rechnen Sie mit der Formel oben nach – der Unterschied zwischen Garten- und Hausnutzung ist erheblich.

Kann eine Zisterne zu groß sein?

Ja. Ein überdimensionierter Tank kostet mehr, braucht eine größere Baugrube und füllt sich nie vollständig. Da das Wasser dann sehr lange steht, ist auch die Wasserqualität kein Argument für Übergröße.

Zählt die Garage bei der Dachfläche mit?

Ja, sofern das Wasser tatsächlich in die Zisterne geleitet wird. Garage, Carport und Anbauten sind gerade dann interessant, wenn der Bedarf über dem Ertrag der Hauptdachfläche liegt.

Wie tief muss die Zisterne eingebaut werden?

Sie muss frostfrei liegen, in der Regel also unterhalb von etwa 80 Zentimetern Erdüberdeckung. Genau hier unterscheiden sich die Bauformen: Flachtanks kommen mit deutlich weniger Aushubtiefe aus als klassische Erdtanks.

Brauche ich eine Genehmigung?

Für die reine Regenwassernutzung im Garten in der Regel nicht. Sobald Regenwasser im Haus verwendet oder auf dem Grundstück versickert wird, gelten kommunale Vorgaben und Meldepflichten. Fragen Sie vor dem Kauf bei Ihrer Gemeinde nach – das kostet ein Telefonat und erspart im Zweifel viel Ärger.

Ihr nächster Schritt

Rechnen Sie Ihre drei Zahlen einmal in Ruhe durch: Niederschlag, Dachfläche, Bedarf. Wenn Sie das Ergebnis haben, finden Sie die passenden Tanks, Filter und Komplettpakete bei uns im Sortiment – und wenn Sie zwischen zwei Größen schwanken, rufen Sie uns an. Diese Entscheidung trifft man einmal.

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