Regenwasser für WC und Waschmaschine: Was Sie beachten müssen

Balkendiagramm zum Regenwasserbedarf pro Person für WC-Spülung, Waschmaschine und Reinigung

Die kurze Antwort

Regenwasser für WC und Waschmaschine ist erlaubt, technisch ausgereift und hygienisch unbedenklich – vorausgesetzt, die Anlage ist sauber vom Trinkwassernetz getrennt, alle Leitungen sind gekennzeichnet und die Anlage ist angemeldet. Wirtschaftlich lohnt es sich deutlich stärker als eine reine Gartenlösung, weil die WC-Spülung der mit Abstand größte Verbraucher im Haushalt ist. Was Sie dafür brauchen und was die Rechnung wirklich hergibt, steht hier.

Warum sich Regenwasser erst im Haus richtig rechnet

Wer eine Zisterne nur für den Garten baut, nutzt einen Bruchteil des Potenzials – und zwar den saisonal ungünstigsten. Der Garten braucht Wasser genau dann, wenn es am wenigsten regnet. WC und Waschmaschine laufen dagegen das ganze Jahr gleichmäßig.

Die üblichen Erfahrungswerte für den jährlichen Bedarf pro Person:

Verwendung Bedarf pro Person und Jahr
WC-Spülung 13.500 l
Waschmaschine 5.500 l
Putzen und Reinigen 2.500 l
Summe im Haus 21.500 l

Für einen Vier-Personen-Haushalt sind das 86.000 Liter pro Jahr, die nicht als Trinkwasser gekauft werden müssen. Die WC-Spülung allein macht davon knapp zwei Drittel aus. Anders gesagt: Die teuerste Trinkwasserqualität, die es in Deutschland gibt, wird bei Ihnen zu Hause hauptsächlich dafür verwendet, Toiletten zu spülen.

Was Sie zusätzlich zur Gartenanlage brauchen

Eine Hausanlage ist keine Gartenanlage mit längerem Schlauch. Diese Komponenten kommen dazu:

  • Ein zweites Leitungsnetz. Regenwasser braucht eigene Leitungen zu WC, Waschmaschinenanschluss und den Zapfstellen. Es darf niemals in das Trinkwassernetz eingespeist werden.
  • Eine Druckerhöhung. Ein Hauswasserwerk oder eine Systemsteuerung bringt das Wasser aus dem Tank ins Haus und schaltet bedarfsgerecht.
  • Eine Trinkwassernachspeisung. Bei Trockenheit muss die Anlage automatisch auf Trinkwasser umschalten – und zwar über einen freien Auslauf, nicht über ein Ventil.
  • Sorgfältige Filtertechnik. Was im Garten noch verzeihlich ist, ist im Haus keine Option. Filter, beruhigter Zulauf, Überlaufsiphon und schwimmende Entnahme rund zehn Zentimeter unter der Wasseroberfläche sorgen dafür, dass wirklich sauberes Wasser ankommt.

Komplettpakete für Haus und Garten enthalten diese Technik aufeinander abgestimmt. Das ist kein Marketing, sondern der praktische Grund, warum solche Pakete existieren: Die Komponenten müssen zueinander passen.

Schema einer Regenwasser-Hausanlage mit Filter, Zisterne, Steuerung und freiem Auslauf zur Trinkwassertrennung

Die drei Punkte, die nicht verhandelbar sind

Hier hört die Bastelei auf. Diese drei Punkte sind der Grund, warum die Installation in Fachhand gehört.

1. Strikte Trennung vom Trinkwassernetz

Zwischen Regenwasser- und Trinkwasserleitung darf es keine direkte Verbindung geben – auch keine, die durch ein Rückschlagventil abgesichert ist. Die Nachspeisung erfolgt über einen freien Auslauf nach DIN EN 1717: Das Trinkwasser fällt sichtbar durch die Luft in einen Vorlagebehälter. Fertige Systemsteuerungen setzen diese Trennung baulich um, sodass man sie gar nicht falsch machen kann.

2. Kennzeichnung aller Leitungen und Entnahmestellen

Regenwasserleitungen werden nach DIN 2403 farblich gekennzeichnet, jede Entnahmestelle trägt den Hinweis „Kein Trinkwasser“. Zapfstellen, an die Kinder oder Gäste kommen, werden zusätzlich gegen unbefugte Entnahme gesichert. Das klingt bürokratisch, hat aber einen sehr praktischen Grund: Der nächste Eigentümer des Hauses weiß sonst nicht, was aus welcher Leitung kommt.

3. Anmelden – bei zwei Stellen

Eine Regenwassernutzungsanlage im Haus ist beim Gesundheitsamt anzuzeigen, in der Regel spätestens vier Wochen vor der Errichtung. Zusätzlich ist sie dem Wasserversorger zu melden, weil das Trinkwassernetz betroffen ist. Auch die spätere Stilllegung muss gemeldet werden.

Wie genau das abläuft, welche Formulare nötig sind und ob Ihre Kommune weitere Auflagen macht, unterscheidet sich von Ort zu Ort. Rufen Sie vor dem Kauf einmal bei Gemeinde und Wasserversorger an. Das kostet zwei Telefonate und erspart im Zweifel eine teure Nachrüstung.

Was das mit Ihrer Abwassergebühr macht

An dieser Stelle sind viele Rechnungen im Netz zu optimistisch, deshalb hier die ehrliche Version.

Regenwasser, das im Haus verbraucht wird, läuft anschließend in den Kanal. Dafür fällt Schmutzwassergebühr an – unabhängig davon, woher das Wasser kam. Viele Kommunen verlangen deshalb einen Zähler an der Regenwasserleitung oder rechnen pauschal ab. Sie sparen also den Trinkwasserpreis, nicht die Abwassergebühr.

Umgekehrt gibt es häufig eine Entlastung an anderer Stelle: Wer Dachflächen vom Kanal abkoppelt, zahlt in vielen Gemeinden weniger Niederschlagswassergebühr. Ob und wie stark, steht in Ihrer Gebührensatzung.

Rechenbeispiel für vier Personen

  • Regenwasserbedarf im Haus: 4 × 21.500 l = 86.000 l, also 86 m³ pro Jahr
  • Eingesparter Trinkwasserpreis bei angenommenen 2,00 €/m³: rund 172 € pro Jahr
  • Abwassergebühr fällt weiterhin an und ist in dieser Zahl nicht enthalten
  • Gartenbewässerung kommt oben drauf – dort entfällt die Abwassergebühr meist ganz

Setzen Sie unbedingt Ihre eigenen Werte ein. Die Trinkwasserpreise reichen in Deutschland von deutlich unter zwei bis über drei Euro je Kubikmeter, und die Gebührensatzungen unterscheiden sich noch stärker.

Ist das hygienisch unbedenklich?

Für WC-Spülung, Waschmaschine und Reinigungsarbeiten: ja, bei normgerecht gebauter Anlage. Regenwasser ist weich, kalkfrei und für die Wäsche sogar vorteilhaft – es spart Waschmittel und schont die Maschine.

Nicht geeignet ist Regenwasser zum Trinken, Kochen, Zähneputzen, Duschen und für alles, was mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Genau dafür gibt es die Kennzeichnungspflicht. In Haushalten mit stark immungeschwächten Personen sollten Sie die Nutzung vorher mit dem Arzt oder dem Gesundheitsamt besprechen.

Neubau oder Nachrüstung?

Im Neubau ist die Hausnutzung fast eine Selbstverständlichkeit: Die Leitungen werden ohnehin verlegt, das zweite Netz kostet vergleichsweise wenig.

Bei der Nachrüstung ist das zweite Leitungsnetz der aufwendige Teil, nicht die Zisterne. Deshalb lohnt sich ein pragmatischer Zuschnitt: Waschmaschine im Keller oder in der Waschküche und die WCs, die leitungstechnisch günstig liegen. Ein WC im zweiten Obergeschoss nachträglich anzubinden, treibt die Kosten schnell über den Nutzen.

Vier Fehler, die immer wieder passieren

  1. Die Anmeldung vergessen. Sie ist Pflicht, kostet nichts und wird lästig, wenn sie erst beim Verkauf des Hauses auffällt.
  2. Nachspeisung über ein Ventil statt über freien Auslauf. Der häufigste schwere Fehler bei Eigenbaulösungen – und ein echtes Risiko für das Trinkwassernetz.
  3. Den Tank zu klein wählen. Wer im Haus nutzt, braucht deutlich mehr Volumen als für den Garten allein. Rechnen Sie vorher nach.
  4. Nur den Trinkwasserpreis gegenrechnen. Die Abwassergebühr bleibt. Wer damit kalkuliert, wird nicht enttäuscht.

Häufige Fragen

Brauche ich eine Genehmigung?

Eine Genehmigung im klassischen Sinn meist nicht, wohl aber eine Anzeige beim Gesundheitsamt und eine Meldung beim Wasserversorger. Einzelne Kommunen haben zusätzliche Vorgaben – fragen Sie dort nach, bevor Sie bestellen.

Darf ich die Anlage selbst installieren?

Die Erdarbeiten und den Tankeinbau können Sie in Eigenleistung erbringen. Der Anschluss an das Hausnetz und die Trinkwassernachspeisung gehören in die Hand eines eingetragenen Installationsunternehmens – schon deshalb, weil der Wasserversorger das verlangen kann.

Was passiert, wenn die Zisterne leer ist?

Dann schaltet die Steuerung automatisch auf Trinkwasser um. Sie merken davon nichts außer an der Wasserrechnung.

Wird die Wäsche mit Regenwasser sauber?

Ja, und häufig besser als mit hartem Leitungswasser. Weiches Wasser braucht weniger Waschmittel. Dosieren Sie entsprechend niedriger, sonst schäumt es zu stark.

Wie groß muss der Tank für die Hausnutzung sein?

Deutlich größer als für den Garten allein. Für vier Personen mit Hausnutzung liegen übliche Größen zwischen 6.000 und 10.000 Litern, abhängig von Dachfläche und Niederschlag. Die genaue Zahl ergibt sich aus der Berechnung.

Ihr nächster Schritt

Klären Sie zuerst zwei Dinge: wie groß der Tank sein muss und was Gemeinde und Wasserversorger verlangen. Danach ist die Auswahl einfach – Komplettpakete für Haus und Garten enthalten Filter, Steuerung und Nachspeisung aufeinander abgestimmt, und Sie finden sie bei uns im Sortiment. Bei Fragen zur Auslegung rufen Sie uns an, bevor der Bagger kommt.

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