Tulpen pflanzen und pflegen

Tulpen
Tulpen

Der Frühling gehört den Tulpen. Im Herbst werden sie gepflanzt. Die edle Knospe ist schon für Dichter und Maler Inspiration gewesen. Wie die Tulpe nach Europa kam, wie Sie sie anpflanzen  und was sie noch beachten sollten, erfahren Sie jetzt.

Schnörkellose Farbenpracht

Die zur Familie der Liliengewächse zählenden Tulpen (Tulipa) sind die schönsten und farbenprächtigsten Frühlingsblüher. Etwa 5000 verschieden Sorten sind bekannt, knapp 150 Züchtungen werden in Europa, Zentralasien und Nordafrika angebaut. Ob im Garten, im Topf auf der Fensterbank oder als Strauß – diese Blumen machen immer eine tolle Figur. Brillante Farben, lange Blätter und besonders die glockenförmige Blüte sind charakteristisch für den Exportschlager aus Holland und stellt dabei die Konkurrenz in der Kategorie Frühblüher in den Schatten, denn keine von ihnen blüht so bunt und vielfältig wie die Tulpe. Die Muster verschiedener Sorten, vor allem gestreifte und gefleckte Blüten, gehen auf ein Virus zurück. Die Infektion, welch durch Blattläuse übertragen wird, führt zu einer ungleichmäßigen Färbung der Blütenoberfläche. Im 17. Jahrhundert jedoch wusste man noch nichts über diese Virusinfektion und ging davon aus, dass es sich um seltene Kreuzungen handelte.

Geschichte: ein Haus für eine Zwiebel-Rarität

Schon seit Jahrhunderten verdreht die Königin unter den Frühlingsblühern den Menschen den Kopf, so sehr sogar, dass so manche Tulpenzwiebel zeitweise wertvoller als Gold war. Ihren Ursprung hat die Tulpe in Mittel- und Zentralasien und fand über die Türkei im 16. Jahrhundert ihren Weg nach Westeuropa. Im 17. Jahrhundert avancierte sie zur absoluten Modeblume, sodass sie einige Jahrzehnte später als Königin der Blumen gehandelt wurde. Heute wird von dieser Zeit als die Zeit der Tulpomanie gesprochen. Die Lust auf  Tulpen führte zu einem regelrechten Spekulationswahnsinn um die Zwiebeln der Pflanze. Eine Zwiebel der inzwischen ausgestorbenen Tulpensorte Semper Augustus, schon damals eine Rarität, wurde zu Preisen von bis zu 5.500 holländischen Gulden gehandelt – so viel wie man damals etwa für ein Amsterdamer Grachtenhaus zahlte. Am Ende der Tulpomanie stand der Börsencrash 1637, der den Handelswert für die begehrten Tulpenzwiebeln wieder normalisierte, einige Spekulanten dabei aber auch noch um Haus und Hof brachte. Der holländische Maler Rembrandt ist das vielleicht bekannteste Tulpenopfer, welches durch den Börsencrash in den finanziellen Ruin getrieben wurde.

Anbaugebiet: Holland ist Tulpenland

Tulpen in Amsterdam
Tulpen in Amsterdam

Seit mehr als 400 Jahren werden in den Niederlanden Tulpen gezüchtet. In Holland, dem Herzstück des europäischen Blumenanbaus, werden jedes Jahr etwa zwei Milliarden Tulpen angebaut. Das sind 85 Prozent des Tulpenanbaus weltweit. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Absatzmärkten: den Tulpenzwiebelmarkt und den Schnittblumenmarkt.

Die einstige Rarität ist zum vielleicht schönsten Massenprodukt der Welt geworden. Mit einem Strauß frischer Tulpen kann man anderen eine Freude machen oder aber sich selbst, wenn man sich Tulpen in den unterschiedlichsten Farben in die Wohnung stellt, egal ob als Strauß, der lediglich aus Tulpen besteht, oder gebunden aus Tulpen und anderen Schnittblumen wie Freesien, Pfingstrosen oder Glockenblumen.

Bedeutung: Lasst Blumen sprechen

Zwar verbindet man bei uns die Tulpe unweigerlich mit den Niederlanden, jedoch ist sie so etwas wie die Nationalblume der Türkei und dort Sinnbild für Lebensfreude und Fruchtbarkeit. Im Osmanischen Reich wurden Gedichte für Tulpen geschrieben, Kleider wurden mit Tulpen als Muster bestickt und die Tulpe wurde zu einem charakteristischen Symbol in der türkischen Kunst. In der darstellenden Kunst steht die Tulpe immer wieder für Vergänglichkeit. Lässt man aber Blumen sprechen, vermittelt sie eine ganz andere Botschaft.

In Persien, ihrem eigentlichen Ursprungsgebiet, verschenkte man Tulpen seit Jahrhunderten als eine Art Liebeserklärung und auch heute noch stehen rote Tulpen symbolisch für eine heiß entflammte Liebe. Entwickelt man erste zarte Liebesgefühle, verschenkt man der Sprache der Blumen zufolge am besten rosafarbene Tulpen. Am vielversprechendsten sind weiße Tulpen, denn sie stehen für ewige Liebe und Verbundenheit. Aber es geht auch etwas weniger amourös mit andersfarbigen Blüten. Gelbe Tulpen etwa stehen für Freundschaft und Lebensfreude und violette drücken Zurückhaltung und Bescheidenheit aus. Für das Auge am spannendsten sind nach wie vor bunte Tulpensträuße.

Pflegetipps: stielsicher und eiskalt

Tulpe: Frühlingsbote im Schnee
Der Frühlingsbote im Schnee wird im Herbst angepflanzt – Tulpen finden Sie oft bei den Herbstblumen

Tulpenpflanzen in der Erde sind sehr genügsam. Im Blumenbeet fühlen sich die aus den Knollen sprießenden Blumen an einem sonnigen Standort am wohlsten. Da Staunässe schnell zum Verfaulen der Tulpenzwiebeln führen kann, sollten sie nicht in zu feste Erde gesetzt werden. Am besten sind leicht sandige Böden, hier kann überflüssiges Gießwasser schneller abfließen. Man kann Tulpengewächse im Februar, wenn sie ihr erstes Grün zeigen, mit einem organischen Dünger düngen. Ansonsten sind sie sehr pflegeleicht und müssen nur regelmäßig gegossen werden.

Zum Überwintern kann man die Mutter- sowie ihre zwei bis drei Tochterzwiebeln in Blumentöpfen heranziehen, muss man aber nicht. Die meisten langlebigen Tulpensorten überstehen den Winter auch im Blumenbeet. Tulpen brauchen die Kälte nämlich, um überhaupt eine Blüte ausbilden zu können.

Die Königin in der Vase

Tulpe in einer Vase
Tulpe in einer Vase

Am beliebtesten sind Tulpen jedoch als Schnittblumen, egal ob lose in einer Vase oder gebunden in einem Strauß. Von Februar bis in den Mai hinein gehören den Tulpen die Blumenläden. Wichtig ist, etwa zwei Zentimeter der Stiele gerade mit einem Messer abzuschneiden, bevor man sie ins Wasser stellt. Ihr Wasser mögen sie übrigens besonders cool, mit Eiswürfeln im Wasser halten Tulpen sogar länger. Damit sind sie jedoch eine echte Ausnahme unter den Schnittblumen. Alle anderen Arten bevorzugen ihr Wasser zunächst nämlich mit einer Anfangstemperatur von circa 40°C.

Apropos Wasser: Frisches Wasser ist für eine lange Freude an den Blumen unverzichtbar. Trübes Blumenwasser muss gewechselt werden. Am einfachsten kann man das in einer Glasvase beobachten. Bei blickdichten Gefäßen muss geschätzt werden. Mit Kupfermünzen oder Zucker in der Vase verlängert sich die Haltbarkeit der Blumen nicht, das Gegenteil ist eher der Fall. Lediglich Frischhaltemittel vom Floristen können helfen, denn sie beinhalten antibakterielle Substanzen. Tulpen wachsen auch nach dem Abschneiden noch weiter, weshalb sie nach ein paar Tagen die Köpfe an den langen Stielen herunterhängen. Das kann man mit einem kurzen Längsschnitt unterhalb des Blütenkelches verhindern.

Jahreszeit: kein Frühjahr ohne Tulpen

Der Durchbruch ist geschafft, fehlt nur noch die Blüte
Der Durchbruch ist geschafft, fehlt nur noch die Blüte

Im Februar sprießt das erste Grün der Tulpenpflanze aus der Erde. Von April bis Mai treiben die glockenförmigen Blüten aus der Zwiebel. Nach dem Verblühen der Blüte knipst man diese am besten ab, damit die Pflanze die Nährstoffe in die Produktion neuer Tulpenzwiebeln stecken kann. Aber Obacht: Viele Tulpensorten sind nur einjährig, das heißt, sie wachsen nur eine Saison und vermehren sich nicht über Tochterzwiebeln. Mehrjährige Züchtungen hingegen können im Garten oder im Topf über mehrere Jahre Freude bereiten.

Angst vor Frost in den Wintermonaten muss man bei seinen Tulpen nicht haben, denn wie viele andere Frühblüher verfügen sie über einen natürlichen Frostschutz. Einige der winterlichen Frühlingsboten bilden sogar nur dann eine Blüte im Frühjahr aus, wenn ihre Zwiebeln unter der Erde wenigstens ein paar Tage Temperaturen unter dem Gefrierpunkt erfahren haben.

Im Herbst anpflanzen, im Frühjahr betrachten

Tulpen sind Frühlingsblüher. Unter die Erde kommen sie allerdings noch vor dem Winter. Gepflanzt wird der Frühlingsbote in Zwiebelform im Herbst. Als Pflanztiefe gilt die Faustregel: Die dreifache Zwiebellänge unter der Erdoberfläche, im Durchschnitt ist das eine Tiefe von etwa zehn Zentimetern.

Wer sich im Frühjahr an den bunten Kelchen im Garten erfreuen möchte, muss die Zwiebeln im Herbst unter die Erde bringen. Egal welche Frühlingsblumen man im Garten stehen haben möchte, ob klassische Tulpen oder Märzbecher, Winterling und Narzisse, spätestens im Oktober sollten die Frühblüher gepflanzt werden.

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