Rauchfreier Holzkohlegrill

Rauchfreier Grill
Rauchfreier Grill | Bild: Feuerdesign

Das eigene Grillvergnügen im Garten oder auf dem Balkon ist nicht zuletzt abhängig von der Toleranz der Nachbarn. Dies gilt besonders für den Balkon. Rauchschwaden, die gern beim Anzünden entstehen, machen es der Nachbarschaft nicht einfach, wohlwollend auf Ihr Grillfest zu blicken. Außerdem umschmeichelt der Geruch von verbranntem Fett nicht jede Nase. Unabhängig von einem potenziellen Nachbarstreit bleibt die Tatsache bestehen, dass Rauch immer auch gesundheitsbedenkliche Substanzen mit sich bringt, im schlimmsten Fall PAK.

Im Umkehrschluss ist ein rauchfreier Holzkohlegrill also gesünder und friedensstiftender als ein herkömmlicher. Wie ein solcher Grill funktioniert, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wie funktioniert rauchfreies Grillen auf einem Holzkohlegrill?

Um zu wissen, wie rauchfreie Grills funktionieren, ist es nützlich, sich in Erinnerung zu rufen, wie Rauch überhaupt entsteht.

Wie entsteht Rauch?

Für die Rauchentwicklung beim Grillen gibt es vor allem zwei Gründe.

Zum einen wird Rauch produziert, wenn Fett verbrennt. Mehr dazu finden Sie unter Direktes und indirektes Grillen.

Rauch um Grillgut
Rauch um Grillgut © fotek fotolia.com

Zum anderen kann Rauch durch eine unvollständige Verbrennung von Holz und Grillkohle, das sogenannten Schwelen, entstehen.

Während bei einer sachgemäßen Verbrennung von Holz und Holzkohle zum großen Teil Kohlendioxid (CO2)  entsteht, wird bei unsachgemäßem Abbrand vermehrt Kohlenmonoxid (CO) freigesetzt. Hinzu kommen erbgutschädigende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, sowie weitere schädliche Abgase. Die Gesamtheit nehmen Sie als Rauch oder Qualm wahr.

Rauch durch das Schwelen von Holzkohle
Rauch durch das Schwelen von Holzkohle © hansenn fotolia.com

Ein rauchfreier Grill muss also ein Gerät sein, das einen schnellen und somit sachgemäßen Abbrand schafft.

Bitte beachten Sie: Rauchfreie Grills sind qualmfrei. Sie sind somit auch auf dem Balkon nutzbar, wenn die Hausordnung das Grillen nicht gänzlich verbietet. Das heißt jedoch nicht, dass Abgase komplett vermieden werden. Eine gewisse Menge an Kohlenmonoxid entsteht auch bei rauchfreien Grills. Ebenso wie bei jedem anderen Grill sollten Sie daher für ausreichend Frischluft im Aufstellraum sorgen. In geschlossenen Räumen sollten Grills aus gesundheitlichen Gründen nicht angewendet werden.

Rauch vermeiden

Beim Grillen in einem Holzkohlegrill benötigt man nicht etwa das brennende Holz, sondern die Glut. Erst im Glutbett entsteht die angenehme Infrarotwärme, die das Grillgut aufheizt und brutzelt. Wenn das Holz zu glühender Kohle heruntergebrannt ist, kommt das Grillgut auf den Rost.

Demzufolge müssen rauchfreie Grills von Haus aus über eine Technik verfügen, die einen sachgemäßen und somit schnellen Abbrand gewährleistet – und für diesen ist Sauerstoff unerlässlich.

Derzeit erhalten Sie rauchfreie Grills auf dem Markt bei Camping- und Tischgrills. Selbst hochwertige Grillküchen, die mit Holzkohle befeuert werden, scheiden also aus.

Rauchfreie Tischgrills

Ein rauchfreier Holzkohlegrill ist ein spezieller Tisch- oder Campinggrill, der mit Holzkohle arbeitet und an den richtigen Stellen zusätzlich belüftet wird. Techniken für eine solche Verbrennungsluftzufuhr sind zum Beispiel:

  • Kaminzug / Lüftungsschacht
  • elektrische Belüftung
Verbrennungsluft
Luftzufuhr in einem Kaminofen | Bild: edinger

Rauchfreier Tischgrill mit Kaminzug

Baubedingt, ist ein moderner Holzkohlegrill mit Kaminzug ein Säulengrill. Die Säule beinhaltet einen zu öffnenden und verschließbaren Luftschacht, der frische Verbrennungsluft in die Säule eindringen lässt. Die Luft steigt in den Säulenkopf, in dem sich Feuerstelle und Rost befinden, und wird als Verbrennungsluft von unten genutzt – ähnlich der Primärluft in einem Kaminofen. Somit wird die Glut von oben und unten mit Sauerstoff versorgt, dem Gas, das für eine saubere Verbrennung unerlässlich ist. Mit dem Öffnen und Schließen des Luftschachtes können Luftzufuhr und Grilltemperatur geregelt werden.

Rauchfreie Tischgrills mit Kaminzug gibt es wenige auf dem Markt. Ein solches Modell ist beispielsweise der Son of Hibachi. Untypisch für einen Grill mit Kaminzug besteht er aus zwei miteinander zusammenklappbaren Kohlebetten mit je einer Grillfläche sowie einem mittig gelagerten Aschefach. Man könnte meinen, einen kleinen Koffer vor sich zu haben. Diese Bauform ist es jedoch, die dem Tischgrill den Kaminzugeffekt ermöglicht.

Der Grill wird auseinandergeklappt, sodass beide Grillhälften vor dem Nutzer offen liegen. In die Kohlebetten werden die Briketts geschüttet. Anschließend wird das herausnehmbare Aschefach mit Anzünder bestückt und entzündet. Nach dem Entzünden kann der Grillkoffer wieder zusammengeklappt werden. Die Hitze breitet sich im aufrecht stehenden geschlossenen Koffer aus und lässt die Briketts in beiden Kohlebetten glühen. Der Kaminzugeffekt wird durch das bewegliche Aschefach realisiert: Um die Verbrennung anzukurbeln, ziehen Sie es ein Stück heraus.

Laut Hersteller ist der Grill nach etwa 10 Minuten bereit, um ihn mit Grillgut zu bestücken. Dazu wird der Grill wieder auseinandergeklappt, sodass beide Grillflächen offen liegen.

Der Son of Hibachi ist ein rauchfreier Grill für direktes Grillen. Gelangt Fett auf die glühenden Kohlen, wird Rauch erzeugt. Um den Tischgrill für indirektes Grillen nutzen zu können, müssten Sie Zusatzmaßnahmen ergreifen, wie zum Beispiel die Briketts mit einer Kohlenzange seitlich anordnen und eine Auffangschale für das Fett in beide Kohlebetten stellen, bevor Sie das Grillgut auf den Rost legen.

Rauchfreier Tischgrill mit elektrischer Luftzufuhr

Anders als bei einem Kaminzug wird die elektrische Luftzufuhr nicht durch eine manuell oder elektrisch zu verstellende Zuluftöffnung bewirkt, sondern durch einen Akku-Lüfter/Akku-Ventilator. Er saugt die Verbrennungsluft an und leitet sie zum Glutbett weiter. Mit dem Lüfter wird die Glut ständig mit Sauerstoff versorgt. Somit entsteht eine starke Hitze, die den Grill schnell und rauchfrei anheizt.

Vesuvio - rauchfreier Grill
Vesuvio – rauchfreier Grill, in verschiedenen Farben, gibt es auch im Shop  | Bild: Feuerdesign

Tischgrills mit elektrischem Lüfter bieten zum Beispiel LotusGrill oder Feuerdesign an. Beim Anzünden wird die höchste Stufe des Lüfters eingestellt, um ausreichend Verbrennungsluft in den Grill zu leiten. Für Grillgut, das leicht anbrennt oder allzu schnell gar ist, regeln Sie entsprechend herunter.  Beim LotusGrill erfolgt die Lüfter-Regelung stufenlos. Das höchste Potenzial erreichen Sie beim Anschlag ganz rechts. Bei Feuerdesign kann der Hobbygriller sich an drei Stufen ausprobieren (1: niedrig, 2: mittel, 3: hoch). Stufe 0 eignet sich am besten für das Warmhalten bereits gegarter Speisen, dann ist der Lüfter und somit die elektrische Luftzufuhr aus.

Akku oder Batterie

Zum Betrieb benötigt der Lüfter Batterien oder Akkus. So sind die Modelle von LotusGrill mit vier AA-Batterien (1,5 V) und beispielsweise der Vesuvio von Feuerdesign mit einem 1000-mAh-Akku ausgestattet, ausreichend für rund 4 Stunden Grillvergnügen. Sollte der Akku vom Vesuvio einmal leer sein, können Sie ihn zum Beispiel über eine USB-Power-Bank aufladen. USB-Kabel gehört zum Lieferumfang.

Vesuvio-Lüfter-Akku-Modul mit USB-Anschluss
Vesuvio-Lüfter-Akku-Modul mit USB-Anschluss | Bild: Feuerdesign

Während Batterie- und Lüfterfach beim LotusGrill fest im Boden des Grills eingebaut ist, setzt Feuerdesign auf ein herausnehmbares Modul, das über einen außen seitlich angebrachten Schacht herauszuziehen und einzuschieben ist. Bei Ladebedarf entnehmen Sie das Modul, laden es an einem USB-Ladegerät auf und schieben es anschließend wieder in den Schacht hinein. Ebenso ist das Auswechseln des Lüftermoduls möglich, ohne den kompletten Grill einschicken oder ersetzen zu müssen. An dem Modul lässt sich auch die Stufeneinstellung des Lüfters regeln.

Kohlekorb mit Deckel für indirektes Grillen

Dank eines Metallkorbes mit abnehmbarem Deckel, in dem sich die Holzkohle befindet, sind die rauchfreien Tischgrills von Feuerdesign und LotusGrill von vorneherein für indirektes Grillen konzipiert. Das abtropfende Fett fällt auf den Deckel des Feuerkorbes, ohne mit dem Feuer in Berührung zu kommen. Der Metallkorb ist fest mit der Innenschale des Grills verbunden, die zugleich als Abtropfschale verwendet wird.

Da der Deckel für den Feuerkorb bei LotusGrill mit Belüftungslöchern versehen ist, sichert der Hersteller ihn mit einer weiteren Maßnahme ab. So befindet sich auf dem Rost eine mittig gelagerte Metallplatte, deren Durchmesser dem des Kohlekorbes unter ihr entspricht. Nahe dem Feuerkorb bleibt auf die Weise der Boden von Fett und Speiseresten verschont. Zwar kann auch auf der Metallplatte gegrillt werden – aufgrund der enormen Temperaturen, die sich durch die aufsteigende Hitze aus dem Feuerkorb unter der Platte ansammelt, ist es jedoch möglich, dass Steak und Co schnell anbacken. Somit ist auch die Reinigung der Platte ungleich schwieriger als bei einem Rost.

Feuerdesign verzichtet auf die Platte in der Mitte des Rostes. Stattdessen erhält der Feuerkorb einen Deckel ohne Löcher und andere Aussparungen. Außerdem ist der Brennkorb niedriger und breiter. Höhe, Breite und Deckel verhindern, dass die aufsteigende Hitze nicht verstärkt auf die Mitte des Rostes zuströmt, sondern sich gleichmäßiger im Grillkörper verteilt.

Rauchfreier Grill Vesuvio | Bild: Feuerdesign
Rauchfreier Grill: Querschnitt durch den Vesuvio: die roten Pfeile deuten die Wärmeverteilung an, die blauen die Kühlung der Außenschale, siehe auch mobiler Grill mit Tasche| Grafik: Feuerdesign

Schnelles Angrillen

Tischgrills mit durchdachter Luftzufuhr sind nach ca. 10 Minuten angeheizt. Bei Feuderdesign und LotusGrill ist aufgrund der permanenten Luftzufuhr ein Anheizen von 3 bis 5 Minuten zu erwarten.

Transporttasche für den Vesuvio
Transporttasche für den Vesuvio | Bild: Feuerdesign, Ausschnitt aus Produkt-Clip

Mobiler Grill mit Tasche

Tisch- und Caminggrills sind für den spontanen und mobilen Einsatz gedacht. Sie wiegen wenige Kilo und lassen sich leicht transportieren, So weist der Son of Hibachi ein Gewicht von rund 6 bis 7 Kilo auf, die Modelle von Feuerdesign und LotusGrill etwa 3,5 bis 4 kg. Für einen bequemen Transport verschicken alle drei Hersteller ihre rauchfreien Tischgrills mit Transporttasche, die Sie sich samt Grill einfach um die Schulter hängen können.

Darüber hinaus lässt sich ein Tischgrill mit Lüfter auch im Betrieb transportieren, wenn er über eine doppelwandige Konstruktion verfügt. Auf die setzen Feuerdesign und LotusGrill gleichermaßen.

Rauchfreier Grill Vesuvio | Bild: Feuerdesign
Rauchfreier Grill Vesuvio, die blauen Pfeile stellen die kühlende Luft dar | Bild: Feuerdesign

Die angesogene Luft wird zweifach genutzt:

  • als Verbrennungsluft,
  • als Kühlung.

Während die Verbrennungsluft die Glut anheizt, verteilt sich die restliche Luft in den Zwischenräumen der Doppelwand. Die Außenwand wird also gekühlt. Diese Funktion ist praktisch, wenn ein plötzlicher Regenguss ansteht und der Grill sehr schnell von einer Stelle zur anderen gebracht werden muss.

Leicht zu reinigen

Ob Grill oder Tischgrill – nach der Nutzung sollte eine einfache Reinigung möglich sein. Dafür gibt es zwei Optionen:

  • Grill reinigt sich selbst
  • Bauteile sind spülmaschinenfest

Son of Hibachi verwendet Option 1. Nach der Nutzung wird das Feuer im Grill noch einmal geschürt und der Grill zusammengeklappt. Von Fett bis zu den Speiseresten verbrennen die Flammen nun alles Brennbare im Inneren, sodass keine organischen Rückstände übrig bleiben.

Hobbygriller, die auf einen blitzblanken Grill Wert legen, verwenden Option 2. Bei Feuerdesign und LotusGrill bestehen Grillinnenschale und Rost aus rostfreiem und spülmaschinenfestem Edelstahl.

Bei einigen Modellen ist auch der Feuerkorb aus Edelstahl. Hier sei aber gesagt, dass der Feuerkorb nicht für ein Bad im Geschirrspüler vorgesehen ist. Es genügt, den Korb in kühlem Zustand zu säubern. Dazu nehmen Sie den Deckel vom Behältnis, schütten die Asche fort und klopfen den Rest aus.

Rauch bei rauchfreiem Grill – wann kann das passieren?

Auch bei rauchfreiem Grill kann Rauch entstehen. Drei Gründe seien hierfür näher erläutert.

Vesuvio anzünden mit Brennpaste
Vesuvio anzünden mit Brennpaste | Bild: Feuerdesign

Rauch beim Vorglühen

Am Anfang eines jeden Vorglühens bildet sich mal mehr und mal weniger sichtbar Rauch. Er wird durch das Abbrennen der Brennpaste verursacht. Dieser Prozess findet auch bei einem rauchfreien Grill statt, gilt jedoch als ungefährlich, vor allem wenn Sie Sicherheitsbrennpaste verwenden. Beim eigentlichen Grillen sollten Sie stattdessen Rauch kaum wahrnehmen.

Flammen auf und über dem fettigen Rost
Flammen auf und über dem fettigen Rost © Joshua Resnick fotolia.com

Stichflamme durch fettigen Rost

Bei jedem Grill provozieren besonders fettige Speisereste auf dem Rost eine Stichflamme, die bis über den Rost ragen kann und Ihr Fleisch verbrennt, statt es zu brutzeln. Dabei entsteht gefährlicher Rauch, der sich jedoch leicht vermeiden lässt. Tupfen Sie dazu stark mariniertes bzw. vor Fett triefendes Grillgut ab, bevor Sie es auf den Rost legen.

Rauch beim direkten Grillen

Bei rauchfreien sowie allgemeinen Grills für direktes Grillen befinden sich Steak, Geflügel und Co. direkt über dem Glutbett. So ist generell die Gefahr gegeben, dass Fett darauf tropft und ungesunder Rauch entsteht. Auch hier bietet es sich an, zuvor allzu fettiges oder stark mariniertes Grillgut abzutupfen, bevor es auf den Rost gelegt wird. So wird die Wahrscheinlichkeit verringert, durch in den Grill fallende Fetttropfen Rauch zu verursachen.

Feuerdesign Grillkohle
Feuerdesign Grillkohle |Bild Feuerdesign

Qualität Holzkohle / Briketts

Feuchte Holzkohle und Briketts können ebenso der Grund für eine Rauchentwicklung sein. Lagern Sie Ihre Grillkohle daher trocken. Im Sommer ist eine Garage oder ein Schuppen sinnvoll, doch spätestens im feuchten Herbst und feucht-kühlen Winter sollte sie ins Haus oder in einen besonders trockenen Keller umziehen Eine Restfeuchte von unter 15 Prozent ist empfehlenswert. Neben der Feuchte spielt auch die Struktur eine Rolle. Ein hoher Gehalt an Kohlenstoff spricht für Qualität.

Hersteller von Grills bieten oft zusätzlich die Grillkohle an, mit der Eigenschaften wie Garzeit und Rauchentwicklung bereits erfolgreich getestet wurden. Auf der Verpackung und/oder im Produktnamen sehen Sie den Herstellernamen.

Rauchfreie Grills finden Sie bei den Tisch- und Campinggrills. Sie sind für 2 bis 4 Personen geeignet. Legen Sie viel Wert auf den Begriff „rauchfrei“, sollten Sie einen rauchfreien Grill für indirektes Grillen verwenden. Die Tischgrills sollten aus Stahlblech bzw. aus Edelstahl bestehen, sodass eine Langlebigkeit der einzelnen Bauteile gewährleistet werden kann. Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn der Grill entweder selbstreinigend ist oder die Einzelteile spülmaschinenfest sind. Rauchfreie Grills finden Sie je nach Qualität im Preissegment zwischen 70 Euro und 200 Euro. Sie gehören noch zu einer recht jungen Grill-Gattung und sind bereits trendbildend.

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